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Interview mit Florian Hein: „Jeder kann digitale Transformation“

Erschienen im Lectra Themendienst März 2019:

Florian Hein ist Geschäftsführer von #openspace, Digitalisierungspartner des Mittelstands. Für alle Phasen der digitalen Transformation bietet die Commerzbank-Tochter #openspace unterschiedliche und maßgeschneiderte Lösungen an. Im Zentrum stehen dabei vielschichtige Workshop-Formate. Unternehmen erarbeiten darin ihr individuelles Rüstzeug, um im Anschluss zu digitalisieren.


Lectra: Herr Hein, was ist die größte Hürde für Mittelständler bei der digitalen Transformation?


FH: Ganz einfach: Der erste Schritt. Der Mittelstand tut sich sehr schwer mit dem Thema Digitalisierung, da es als riesiger Berg erscheint. Schon der Begriff an sich ist derart breit gefächert, dass darunter alles verstanden wird. In den Gesprächen erleben wir die Furcht loszulaufen, allein weil es in eine falsche Richtung gehen könnte.


Lectra: Einer muss also vorangehen?


FH: Ja, und das ist ganz klar der Chef. Wenn die Führungsmannschaft das Thema nicht bis in der letzten Faser ihres Körpers als Chance versteht und mit Plan vorantreiben will, wird das niemals im Unternehmen ankommen. Das Wollen ist das Wichtige dabei, um seine Mitarbeiter zu überzeugen. Und Digitalisierung kann nur zusammen mit dem Menschen gelingen. Die verschiedenen Technologien sind da, wir fliegen schon lange zum Mond, aber ohne Menschen ist es dort recht einsam.


Lectra: Sie kennen sowohl die Welt der Konzerne als auch der kleinen Mittelständler. Wie unterscheiden sich diese bei der Digitalisierung?


FH: Die Großen sind tatsächlich bereits sehr weit. Das hilft ihnen aber nur bedingt. Analysieren sie nämlich ihre Wertschöpfungsketten, stellen sie fest, dass hier noch großer Nachholbedarf besteht. Bei kleinen Mittelständlern fehlt neben dem Verständnis für Digitalisierung häufig das Personal, etwa in den IT-Abteilungen, und auch die Investitionen müssen wohl überlegt sein. Wenn sich Mittelständler aber dem Thema öffnen, ergeben sich häufig fantastische Ansätze, nicht nur einzelne Prozesse, sondern ganze Geschäftsmodelle neu zu entwickeln. Ein weiterer zentraler Unterschied ist die Entscheidungs- und Umsetzungsgeschwindigkeit. Wir sind immer wieder erstaunt, wie schnell Veränderungen in mittelständischen Unternehmen umgesetzt werden können.


Lectra: Wie kann die Umsetzung konkret gelingen?


FH: Unser Ansatz ist es, die Verantwortlichen zuallererst vorübergehend aus dem Tagesgeschäft herauszuholen und konzentriert in Workshops an diesen Themen zu arbeiten. Was bedeutet Digitalisierung konkret für mein Unternehmen? Im Anschluss kommen Mitarbeiter etwa aus der IT, dem Vertrieb oder Lager zu uns, um die Vision bis zu einem Produkt weiter zu entwickeln. Wir sehen unseren Ansatz dabei als Hilfe zur Selbsthilfe. Haben wir unseren Job richtig gemacht, können die Unternehmen anschließend ihre digitale Transformation aus eigener Kraft umsetzen.


Lectra: Jedes Unternehmen muss also seinen eigenen Weg finden?


FH: Auf jeden Fall. Aber niemand ist auf diesem Weg alleine. Auch wir bringen unsere Mittelständler mit unserem Ökosystem aus Startups, IT-Umsetzern oder Anwälten für Patentthemen zusammen. Darüber hinaus gibt es Förderprogramme für Digitalisierungsmaßnahmen. Obwohl diese oft zu große bürokratische Hürden bereithalten. Hier würde ich mir noch mehr Unterstützung seitens der Politik wünschen. In den öffentlichen Aussagen und bei den konkreten Maßnahmen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hein.


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